7

 

»Das ist also ein sárkány. Wärst du beleidigt, wenn ich sagen würde, dass es sich nicht von einem geschäftlichen Treffen unterscheidet?«, flüsterte ich Gabriel zu, als wir den großen Ballsaal eines der vornehmsten Hotels in ganz Paris betraten.

Der Saal war voller Menschen, und die Stühle, die man aufgestellt hatte, waren fast alle besetzt. An einem Ende des Saals befand sich ein großer Konferenztisch, an dem nur vier Stühle standen.

»Ein sárkány ist ja auch nichts anderes: eine Versammlung von Wyvern, die über den Weyr sprechen.« Gabriels Hand lag beruhigend auf meinem Rücken, als wir aus dem Aufzug traten und in den großen Saal gingen. »Einen Moment, Mayling. Ich habe etwas für dich.«

Er zog mich in eine Ecke, und Maata und Tipene schirmten uns mit ihren Körpern ab.

»Was ist denn los?«, fragte ich verwirrt.

Gabriel zog sich eine Kette über den Kopf, an der ein großes, silbriges, fein gearbeitetes Medaillon hing. Er legte mir die Kette um und steckte das Medaillon in meine Bluse, sodass es zwischen meine Brüste rutschte.

»Pass gut darauf auf«, sagte er und zupfte an meiner Bluse, damit ich ein bisschen weniger Ausschnitt zeigte.

»Was ist das?«, fragte ich und berührte die silberne Kette.

»Das Phylakterium. Ich habe nicht gewagt, es zu Hause zu lassen, und ich möchte es lieber nicht am Leib tragen, falls Kostya auftaucht. Er hat die fatale Neigung, erst anzugreifen und dann Fragen zu stellen, und es würde mir nicht gefallen, wenn er das Phylakterium bei mir entdeckte.«

»Aber es ist doch so kostbar. Eigentlich möchte ich für so etwas Wertvolles nicht verantwortlich sein«, sagte ich leise, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Ich zupfte an Gabriels Ärmel.

»Außerdem ist es doch aus Gold. Drake hat es doch schon einmal gerochen, als ich es in meiner Weste stecken hatte - er wird es wieder riechen.«

»Dieses Mal nicht. Heute Morgen hat er auch nichts gemerkt, und ich habe es während des Frühstücks die ganze Zeit umgehabt. Das Medaillon, in dem das Phylakterium steckt, ist aus Platin. Er wird es nicht bemerken.«

»Aber«, protestierte ich, »Platin ist doch noch wertvoller als Gold. Dann wird er eben das riechen, und alle werden wissen, dass ich etwas sehr Kostbares an mir trage.«

»Für einen Drachen gibt es nichts Wertvolleres als Gold«, antwortete Gabriel und nickte ein paar Drachen zu, die ihn begrüßten.

»Platin übertüncht den Geruch von Gold. Solange du es nicht zeigst, wird keiner etwas merken.«

Ich gab einen unglücklichen Laut von mir, aber er beugte sich zu mir herab und flüsterte mir ins Ohr: »Mayling, das Phylakterium ist unendlich wertvoll. Ich konnte es nicht zurücklassen, aber ich kann es auf dieser Versammlung auch nicht tragen. Das ist zu gefährlich. Du musst es für mich aufbewahren, bis wir hier fertig sind.«

»Aber wenn nun einer erfährt, dass ich es an mir trage?«

»Niemand kann es dir wegnehmen«, antwortete er nachdrücklich.

»Ich war nicht untätig, während du in Abbadon warst. Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde und ich dir das Phylakterium anvertrauen müsste. Deshalb habe ich das Medaillon mit einem Zauber belegen und versiegeln lassen, sodass nur ein silberner Drache es berühren kann. Wenn jemand anderer versucht, es dir wegzunehmen, wird er einen Stromschlag bekommen.«

Entsetzt starrte ich auf meine Brüste.

»Hab keine Angst, mein kleiner Vogel«, sagte er und gab mir rasch einen Kuss. »Dein Leben würde ich nicht einmal für das Lindwurm-Phylakterium aufs Spiel setzen. Du bist meine Gefährtin, und deshalb bist du immun gegen den Zauber.«

»Das freut mich«, erwiderte ich. Ich zuckte mit den Schultern, damit das kühle Metall zwischen meinen Brüsten an die richtige Stelle rutschte. Es erwärmte sich zwar rasch auf Körpertemperatur und war kaum noch zu spüren, aber ich war mir seiner Kostbarkeit doch sehr bewusst. Gabriel lächelte mich an und führte mich durch einen Gang zwischen den Stuhlreihen. Maata und Tipene folgten schweigend. Er blieb kurz stehen, als ein Paar aufstand und ihn begrüßte. Sie redeten in einer fremden, melodischen Sprache miteinander.

Ich neige nicht zu Nervosität, aber ich muss zugeben, dass ich am liebsten in die Schatten geschlüpft wäre. Der Saal war jedoch viel zu hell erleuchtet. Das Licht glitzerte auf den goldenen Wandpaneelen und den dazu passenden goldenen Möbeln. Sogar der Teppich war mit goldenen Ornamenten versehen. Vermutlich nutzten die Drachen diesen Raum als Sitzungssaal, weil ihnen die Ausstattung gefiel, aber ich fühlte mich hier nicht wohl.

Verstohlen zupfte ich einen Fussel von meiner schwarzen Wollhose und rückte die enge Manschette der Bluse zurecht, die er mir geschenkt hatte. Er hatte gesagt, sie sei speziell für mich angefertigt worden, und sie war aus einem seidigen schwarzen Stoff, den er Drachengewebe nannte. Sie war bestickt mit Fäden aus echtem Silber und mit Edelsteinen, die ein kompliziertes Muster aus tanzenden und springenden Drachen bildeten.

Es war eine sehr hübsche Bluse, und zunächst machte ich mir höchstens Gedanken darüber, dass sie bestimmt sehr teuer gewesen sein musste. Erst als ich sie anzog, merkte ich, dass der schwarze Stoff eine Art Eigenleben zu führen schien und wie von selbst Schatten erzeugte. Die Bluse zu tragen gab mir ein ganz besonderes Gefühl, und ich gelobte insgeheim, sehr vorsichtig zu sein und aufzupassen, dass sie keinen Fleck bekam.

»Das ist meine Gefährtin, May Northcott«, sagte Gabriel plötzlich auf Englisch und stellte mich drei Drachen vor. Sie waren in schwarze und silberne Gewänder mit afrikanischen Mustern gekleidet. Der Mann trug eine lose fallende Tunika und eine Hose, die Frauen weite, kaftanähnliche Kleider und Kopfschmuck aus dem gleichen Stoff. Alle drei murmelten eine Begrüßung. Ihre silbernen Augen wirkten verblüffend in den dunkelbraunen Gesichtern.

»Ich freue mich sehr, Sie kennenzulernen«, sagte ich höflich, wobei ich es vermied, ihnen die Hand zu reichen. Bürger der Anderwelt berühren einander nicht, es sei denn, sie werden ausdrücklich dazu aufgefordert. Beim direkten Hautkontakt kann man zu viele Dinge spüren. Zwar war ich mir nicht sicher, ob Drachen eine ähnliche Etikette befolgten, wollte aber nichts falsch machen.

»Das sind Eniiyi und Nkese«, stellte Gabriel die beiden Frauen vor. »Sie kommen aus Nigeria. Eniiyi ist eine enge Freundin meiner Mutter.«

Die ältere Frau musterte mich einen Moment lang mit einem neugierigen Ausdruck in den Augen; dann zog sie mich ohne Vorwarnung in eine feste Umarmung. »Diese hier wird Kaawa gefallen«, sagte sie, als sie mich losließ.

Kaawa war vermutlich Gabriels Mutter. Der Kommentar verblüffte mich - hatte Gabriel schon häufiger Frauen mit nach Hause gebracht, damit seine Eltern sie begutachten sollten? Gabriel sagte nichts. Er nickte nur und stellte mich dem männlichen Drachen vor. »Cibo ist aus Botsuana. Er hatte geschäftlich in England zu tun und ist wegen des sárkány nach Paris gekommen.«

»Wir sind alle überaus erfreut, dass Gabriel eine Gefährtin gefunden hat«, sagte Cibo. Er umarmte mich nicht, nahm aber zur Begrüßung meine Hand in beide Hände. »Nicht nur, dass er diese Ehre verdient hat, sie bringt auch denjenigen unter uns Hoffnung, die sich ebenfalls nach einer Gefährtin sehnen.«

»Danke. Ich werde mein Bestes geben, um dieser Aufgabe gerecht zu werden.«

Er ließ meine Hand los, verbeugte sich vor Gabriel und kehrte zu seinem Platz zurück. Wir gingen weiter den Gang entlang auf den langen Konferenztisch zu, und ich fragte Gabriel flüsternd: »Sind das alle silbernen Drachen, die gekommen sind?«

»Ja. Wir haben erst gestern erfahren, wann du entlassen wirst, deshalb hatten die anderen Mitglieder der Sippe keine Zeit mehr, nach Paris zu reisen. Die meisten von ihnen leben außerhalb von Europa. Eniiyi und Nkese haben hier auf deine Ankunft gewartet. Meine Mutter wollte eigentlich auch hier sein, um dich zu begrüßen, aber ihre Arbeit hielt sie davon ab. Wir werden bald nach Australien reisen, um sie zu besuchen.«

Ich blickte mich um und versuchte zu schätzen, wie viele Personen anwesend waren. »Es müssen mindestens zweihundert Leute hier sein. Leben alle diese Drachen in Paris?«

»Nein. Die meisten sind blaue Drachen, die überall in Europa verstreut leben. Dort drüben stehen grüne Drachen, die Drake gerufen hat. Ganz hinten im Saal sind rote Drachen.«

»Aber unsere Sippe ist irgendwie unterrepräsentiert«, stellte ich besorgt fest. »Hat das Auswirkungen? Und wie sind sie alle so schnell hierhergekommen?«

»Die Zahl der anwesenden Mitglieder ist in diesem Fall ohne Bedeutung; bei einem sárkány können nur der Wyvern und seine Gefährtin das Wort ergreifen. Die anderen Teilnehmer sind lediglich Zuschauer beim Entstehen von Geschichte. Sie haben sich alle hier so schnell wie möglich eingefunden, als bekannt wurde, dass du freigelassen wurdest.«

»Geschichte? Was für eine Geschichte?«

Die Türen zum Saal gingen krachend auf. Wir alle drehten uns um. Einen Moment lang blieb Kostya in dramatischer Pose in der Tür stehen, dann kam er den Gang entlang auf uns zu, flankiert von fünf Männern, die wohl ebenfalls schwarze Drachen waren. Verstohlen berührte ich die Kette, an der das Phylakterium hing, und ein paar Sekunden lang war ich erleichtert, dass Kostya nicht von einer blauäugigen Brünetten begleitet wurde, die mich zufällig erschaffen hatte. Meine Erleichterung war jedoch nur von kurzer Dauer, denn Cyrene betrat als Nächste den Saal.

»Hier bin ich!«, rief Kostya dramatisch und warf den Kopf in den Nacken.

»Hallo, alle zusammen! Mayling! Ist das nicht aufregend?«, rief Cyrene und vermasselte Kostyas großen Auftritt.

Er warf ihr einen finsteren Blick zu.

»Oh, sorry. Mach nur weiter, Schnuckelchen. Ich weiß doch, dass du einen guten Eindruck machen willst.«

Kostya stieß einen dramatischen Seufzer aus. »Ich habe dir doch gesagt, du sollst mich nicht so nennen! Es ist unpassend!«

»Entschuldigung«, sagte Cyrene zerknirscht. »Habe ich vergessen. Mach weiter, Kostie.«

Ich konnte sehen, dass Kostya die Augen verdrehte, und Gabriel gab ein schnaubendes Geräusch von sich, als müsse er sich das Lachen verkneifen. Normalerweise wäre es mir auch schwergefallen, ernst zu bleiben, aber mir bereitete die Frage, warum Cyrene hier war, mehr Sorgen als die Tatsache, dass sie und Kostya so schlecht zueinanderpassten.

»Hier bin ich«, wiederholte Kostya mit lauter Stimme. »Die schwarzen Drachen...«

»Seid gegrüßt, Mitglieder des Weyr.« Die Türen waren erneut aufgerissen worden und ein blonder Mann, der so gut aussah, dass es beinahe in den Augen wehtat, marschierte herein, gefolgt von zwei ebenfalls unglaublich attraktiven Männern.

»Der blaue Wyvern ist da. Das sárkány kann beginnen.«

Kostya fuhr herum und blickte dem Mann entgegen, der ihm seinen Auftritt verdorben hatte. »Sfiatoio del Fuoco Blu«, zischte er und bedachte den Mann, der nur wenig kleiner war als er, mit einem bösen Blick.

»Das ist also Fiat Blu«, murmelte ich leise zu Gabriel. Mit gleichmütigem Gesichtsausdruck musterte er die beiden Männer, aber ich wusste, dass er nicht allzu glücklich darüber war, Fiat zu sehen. »Bist du sicher, dass das Phylakterium...«

»Ich bin sicher. Niemand wird es an dir wahrnehmen.«

»Konstantin Fekete«, sagte Fiat höhnisch und blieb stehen.

»Bist du gekommen, um den Weyr um ein paar Brotkrumen anzubetteln?«

»Die schwarzen Drachen betteln nicht!«, erwiderte Kostya und hätte sicherlich eine seiner Schmähreden vom Stapel gelassen, wenn Fiat in diesem Moment nicht Cyrene erblickt und ihr ein strahlendes Lächeln geschenkt hätte.

»Und wen haben wir hier? Einen Wassergeist?«

»Eine Najade.« Cyrene warf Kostya einen verblüfften Blick zu, als Fiat ihr die Hand küsste.

»Wie charmant«, gurrte Fiat.

»Ich bin Cyrene. Ich gehöre zu ihm«, sagte sie und ergriff Kostyas Arm.

»Ah, aber diese Tragödie kann ich wiedergutmachen«, antwortete Fiat und küsste die Knöchel ihrer anderen Hand.

»Ich hatte noch nie eine Najade in meinem Gefolge. Warum verlässt du diesen barbarischen Kostya nicht und erlaubst es mir, dir zu zeigen, wie ein Drache eine Dame behandeln sollte?«

»Du wagst es?«, knurrte Kostya empört.

»Er will dich doch nur ärgern«, sagte Cyrene und tätschelte ihm den Arm. »Achte einfach nicht auf ihn. Du weißt doch, dass ich deine Gefährtin bin und mich von keinem anderen Drachen weglocken lasse.«

Kostyas Miene entspannte sich ein wenig.

»Ganz gleich, wie gut er aussieht«, fügte Cy hinzu und schenkte Fiat ein Lächeln.

Der Blick, den Kostya ihr zuwarf, hätte sie eigentlich auf der Stelle töten müssen, aber Cy merkt so etwas nicht.

»Gefährtin?«, fragte Fiat und kniff die Augen zusammen.

»Oh, nein«, murmelte ich.

Gabriel beugte sich zu mir herunter. »Glaubt sie tatsächlich, dass sie eine Gefährtin ist? Haben wir diesen Punkt nicht schon bei unserer ersten Begegnung widerlegt?«

»Ja. Aber sie schwört, Kostyas Gefährtin zu sein. Sie meint, die Anzeichen dafür seien nur deshalb nicht zu erkennen, weil er noch kein Wyvern ist.«

Gabriel schüttelte den Kopf. »So funktioniert das nicht.«

»Das habe ich mir schon gedacht, aber du weißt ja, wie sie ist - wenn sie sich erst einmal was in den Kopf gesetzt hat, lässt sie nicht mehr locker.«

Während ich mit Gabriel redete, hatte Cyrene Fiat ihre Theorie bezüglich einer Gefährtin erklärt. Fiat und Kostya warfen sich prüfende Blicke zu, aber sie ließen sie weiterplappern. Ich hatte auf einmal das schreckliche Gefühl, die Aufgabe, sie zum Schweigen zu bringen, würde mir zufallen.

»Wenn du deine Meinung ändern solltest, cara, stehe ich dir nur zu gern zu Diensten«, murmelte Fiat. Er hätte vermutlich sein komplettes Verführungsrepertoire abgespult, wenn sein Blick in diesem Moment nicht auf uns gefallen wäre.

»Gabriel, mein alter Freund«, sagte er mit unmissverständlicher Betonung auf dem letzten Wort und trat auf uns zu. »Ich habe ewig nichts von dir gehört.«

Gabriel deutete eine kleine Verbeugung an. »Ich war sehr beschäftigt, wie du ja vermutlich auch.«

Fiat betrachtete mich aus seinen kalten saphirblauen Augen, und man sah ihm kurz seine Verblüffung an. »Wenn mich meine Augen nicht täuschen, ist diese reizende junge Dame Identisch mit der, die ich gerade kennengelernt habe.«

Ich zuckte mit keiner Wimper, als er mich von Kopf bis Fuß musterte, obwohl ich am liebsten in die Schatten verschwunden wäre. Zu meiner Überraschung spürte ich, wie er in meine Gedanken einzudringen versuchte. Rasch errichtete ich meine mentalen Barrieren, wobei ich Gabriel einen Blick zuwarf, um zu sehen, ob er es wohl auch bemerkt hatte. Der Muskel in seinem Kinn zuckte einmal. Anscheinend war es ihm auch aufgefallen.

»Identisch und doch nicht identisch«, fuhr Fiat mit leiser Stimme fort. »Eine Gefährtin? Kann das sein?«

»Ja, und ich habe auch bereits Anspruch auf sie geltend gemacht«, erklärte Gabriel fest.

Fiat blinzelte; dann breitete sich langsam ein Lächeln auf seinem Gesicht aus. Er umarmte mich und drückte mir einen kalten Kuss auf jede Wange. Ich erstarrte und wappnete mich für den Moment, in dem er entdecken würde, dass ich das Phylakterium um den Hals trug, aber Gabriel hatte mich zu Recht beruhigt. Fiat merkte nichts.

»Endlich eine Gefährtin! Ich freue mich so für dich, mein alter Freund. Und auch für dich... äh...«

» May«, sagte ich, wobei ich mich unmerklich enger an Gabriel drückte. »Cyrene ist mein Zwilling.«

»Tatsächlich.«

Ich war immer stolz darauf gewesen, anderen Leuten vorurteilsfrei zu begegnen, und trotz der Geschichten, die ich von Aisling über Fiat gehört hatte, wollte ich ihn nicht von vorneherein verurteilen. Aber etwas an ihm störte mich. Zwar stand er da und plauderte höflich mit Gabriel, aber trotzdem verhielt er sich so angespannt und wachsam seiner Umgebung gegenüber, dass ich misstrauisch wurde. Seine Anwesenheit machte mich unruhig und weckte in mir das Verlangen, von ihm wegzukommen. Ich blickte mich um, während ich mich fragte, ob Aisling mich wohl so sehr beeinflusst hatte, dass ich ihm einfach Dinge unterstellte, oder ob meine Empfindung richtig war und Fiat tatsächlich etwas Böses im Schilde führte. Die Drachen um uns herum schienen nichts zu merken.

Gabriel unterhielt sich leise mit Fiat, während Maata und Tipene entspannt hinter uns standen. Kostya stand bei seinem Bruder, und Cyrene plauderte fröhlich mit Drakes Männern, während die beiden Brüder uns mit undurchdringlicher Miene betrachteten. Eine kleine Gruppe von Drachen betrat den Ballsaal. Es waren Asiaten, eine Frau und drei Männer. Sie hielten sich im Hintergrund und gingen auf niemanden zu.

Ich beobachtete sie, während ich mit halbem Ohr dem Gespräch der beiden Männer lauschte. Fiat lächelte mich strahlend an. »Eine Doppelgängerin. Wie außergewöhnlich.

Ich habe nie daran gezweifelt, dass du eine Gefährtin finden würdest, Gabriel, obwohl ich eigentlich angenommen habe, du würdest einfach Ysolde nehmen.«

Gabriel blickte ihn überrascht an. »Ysolde de Bouchier?«

»Ja. Sie war doch die Gefährtin deines Wyvern Constantine, oder nicht? Ach, was rede ich da?« Fiat schnaubte leise. »Sie war zuerst die Gefährtin von Baltic. Du wolltest dich vermutlich nicht mit ihr abgeben.«

»Die Frage ist müßig, da Ysolde ja verschwand, noch bevor Constantine getötet wurde«, antwortete Gabriel.

»Ja, in der Tat, in der Tat.« Fiat wandte sich mit einer kleinen Verbeugung wieder mir zu. »Herzlichen Glückwunsch, cara. Ich kann nur hoffen, dass ich eines Tages auch so eine Gefährtin finden werde wie mein lieber Freund Gabriel.«

Gabriels Miene blieb freundlich, aber er legte mir den Arm um die Taille, und Maata und Tipene traten einen Schritt näher.

»Danke«, erwiderte ich höflich. Ich wartete, bis Fiat weitergegangen war, um eine wartende Gruppe von blauen Drachen zu begrüßen. Dann wandte ich mich an Gabriel. »Ich glaube, er ist verantwortlich für die Entführung von Maata und Tipene.«

Gabriel trat überrascht einen Schritt zurück. »Wie kommst du darauf?«

»Er strahlt so etwas Begieriges aus, wie eine riesige Spinne, die ihr Netz gesponnen hat und jetzt dasitzt und wartet, bis sie sich auf ihr ahnungsloses Opfer stürzen kann. Und ich habe das Gefühl, wir sind die Fliegen.«

»Es ist ziemlich weit hergeholt, von seiner begierigen Haltung darauf zu schließen, dass er meine Bodyguards entführt hat. Ich habe mit Maata und Tipene über ihre Entführung gesprochen. Sie gehen davon aus, dass es Ouroboros waren - Drachen, die zu keiner Sippe gehören.«

Maata nickte. »Einen Drachen, der zu einer Sippe gehört, hätte ich bestimmt erkannt, aber die, die uns gefangen hielten, waren mir gänzlich unbekannt. Es waren keine blauen Drachen, May.«

»Außerdem hätte Fiat doch gar keinen Grund, einen silbernen Drachen zu kidnappen«, fügte Gabriel hinzu. »Wir stehen nicht formell auf Bastians Seite, und zwischen blauen und silbernen Drachen gibt es keine Feindseligkeiten. Wir haben eigentlich...«

Er brach ab, als eine kleine Gruppe von Drachen, angeführt von einer Frau, sich von hinten näherte.

»Du bist Tauhou, der silberne Wyvern«, sagte die Frau und blieb vor Gabriel stehen. Sie sprach mit abgehacktem, chinesischem Akzent, und die Worte schossen wie Pistolenkugeln aus ihrem Mund. Da ich ziemlich klein bin, begegne ich selten Frauen, die noch kleiner sind als ich, aber diese hier war noch einen guten Kopf kleiner als ich. Für ihre Persönlichkeit spielte ihre Größe jedoch keine Rolle - sie strahlte so viel Macht aus, dass die Luft um sie herum elektrisch geladen zu sein schien.

Gabriel verbeugte sich. »Habe die Ehre. Das ist meine Gefährtin May.«

Die dunklen Augen der Frau glitten gleichgültig über mich hinweg. Ich stand nicht gerne im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, vor allem nicht, wenn ich in einem Saal voller Drachen so etwas Wertvolles bei mir trug.

»Ich bin Bao. Ich bin der Wyvern der roten Drachen. Du wirst mich als solchen anerkennen.«

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